Blitzsymbol

Spannungsfeld Haupt- und Ehrenamt

Wenn Haupt- und Ehrenamt nicht zusammenspielen – und was passiert, wenn doch

Worst Case: „Ich bin doch nicht derdie Praktikantin vom Dienst.“
Es beginnt harmlos. Ein Ehrenamtlicher übernimmt ein neues Projekt – motiviert, engagiert, mit eigenen Ideen. Doch schnell kommt es zu Irritationen: Hauptamtliche wollen Kontrolle behalten, Aufgaben werden kommentiert, Vorschläge ignoriert. Die eine Seite fühlt sich übergangen, die andere bevormundet. Es wird nicht offen gesprochen, Erwartungen bleiben unausgesprochen. Ein „Wir“ entsteht nicht – stattdessen wächst ein leises Gegeneinander.

Nach einigen Wochen mehren sich die Reibereien: „Ich wusste gar nicht, dass das meine Aufgabe ist.“ – „Darum hätte sich XY kümmern müssen.“ – „So war das nicht abgesprochen.“
Die Ehrenamtliche zieht sich zurück, die Hauptamtlichen atmen erleichtert auf – weniger Diskussion, weniger Abstimmung. Aber auch: weniger Ideen, weniger Herzblut, weniger Wirkung.

Am Ende bleibt Frust auf beiden Seiten. Das Engagement versiegt – nicht, weil der Wille fehlt, sondern weil das Zusammenspiel nicht funktioniert hat. Und das ist keine Ausnahme, sondern eine häufige Realität in Organisationen, in denen Rollen, Kommunikation und Haltung nicht klar sind.


Utopie: „Wir ziehen an einem Strang – mit unterschiedlichen Rollen, aber gemeinsamen Zielen.“
Jetzt stellen wir uns vor: Eine Organisation, in der Haupt- und Ehrenamtliche nicht nur koexistieren, sondern zusammenwirken.
Hier werden Ehrenamtliche nicht als Helferinnen zweiter Klasse behandelt, sondern als eigenständige Akteurinnen mit Perspektive und Expertise. Hauptamtliche verstehen sich nicht als Gatekeeper, sondern als Möglichmacher*innen. Es gibt Raum für Austausch, gemeinsame Entscheidungsprozesse, wertschätzende Rückmeldungen – und klare Strukturen, wer was verantwortet.

Die Hauptamtlichen bringen Verlässlichkeit, Kontinuität, institutionelles Wissen. Die Ehrenamtlichen bringen frische Sichtweisen, Nähe zur Lebenswelt, Experimentierfreude. Statt Misstrauen herrscht Vertrauen, statt Revierdenken Kooperation.

In dieser Kultur entstehen neue Projekte, kreative Formate, eine stärkere Verbindung in die Gesellschaft. Engagement wird nicht verwaltet, sondern entfaltet. Das Ergebnis: Mehr Wirkung, mehr Menschlichkeit, mehr Miteinander.

Gute Zusammenarbeit fällt nicht vom Himmel – aber sie lässt sich gestalten.
In meiner Beratung unterstütze ich Organisationen dabei, das Spannungsfeld zwischen Haupt- und Ehrenamt zu beleuchten – und Wege zu entwickeln, wie gemeinsames Wirken wirklich möglich wird. Damit das Potenzial auf beiden Seiten nicht verloren geht.

Wie sieht die Zusammenarbeit in Ihrer Organisation aus – eher Worst Case oder schon ein bisschen Utopie?